Brandschutz für dünnwandigen Stahl
Warum „Stahl brennt nicht“ nicht ausreicht
Abschnitt betitelt „Warum „Stahl brennt nicht“ nicht ausreicht“Stahl ist nicht brennbar, doch dünnwandige Tragwerke können sich sehr schnell erwärmen, weil ihr Querschnitt im Verhältnis zur exponierten Oberfläche klein ist. Beim Erwärmen können sich Profile verdrehen und so hohe Spannungen entwickeln, dass sie aus der Wand ausknicken.
Dies ist kein rein theoretisches Risiko. Ist der Brandschutz nicht richtig gelöst, kann ein Brand auch in Teilen des Tragwerks schwere Schäden verursachen, die von den Flammen nie erreicht wurden. Wir bezeichnen dies als sensiblen Punkt der Technologie — nicht weil das Tragwerk mangelhaft wäre, sondern weil dieser Aspekt ernst genommen werden muss.
Warum intumeszierende Beschichtungen nicht die Lösung sind
Abschnitt betitelt „Warum intumeszierende Beschichtungen nicht die Lösung sind“Die naheliegende Idee ist, das Tragwerk wie bei warmgewalztem Stahl mit einer intumeszierenden Brandschutzbeschichtung zu versehen. In der Praxis ist dies aus zwei Gründen kein tragfähiger Weg.
Die Physik spricht dagegen
Abschnitt betitelt „Die Physik spricht dagegen“Die erforderliche Schichtdicke hängt vom Profilfaktor ab: Je dünner der Stahl im Verhältnis zur brandbeanspruchten Oberfläche ist, desto dicker muss die Beschichtung sein. Dünnwandige Profile haben ein äußerst ungünstiges Verhältnis.
Geeignete Prüfnachweise fehlen
Abschnitt betitelt „Geeignete Prüfnachweise fehlen“Die Bemessungstabellen der Hersteller gelten für festgelegte Profilbereiche. Eine Extrapolation über diese Bereiche hinaus ist nach den Vorgaben internationaler Zertifizierungsstellen unzulässig. Nach unserer Erfahrung ist es unterhalb von etwa 4 mm Wanddicke nahezu unmöglich, einen Hersteller zu finden, der einen geeigneten Nachweis für sein Produkt bereitstellt.
Und die Kosten
Abschnitt betitelt „Und die Kosten“Selbst wenn man es versuchte, würde die enorme Oberfläche die Beschichtungskosten für ein Wohngebäude unrealistisch machen.
Auch eine Brandschutzplatte allein reicht nicht aus
Abschnitt betitelt „Auch eine Brandschutzplatte allein reicht nicht aus“Ein weiterer naheliegender Vorschlag ist eine Brandschutz-Gipsplatte mit REI-Klassifizierung. Dahinter steckt ein verbreitetes Missverständnis.
Eine REI-Klassifizierung gilt für den gesamten Aufbau, nicht für die Platte
Abschnitt betitelt „Eine REI-Klassifizierung gilt für den gesamten Aufbau, nicht für die Platte“Der Feuerwiderstand beschreibt die Leistung des gesamten Bauteilaufbaus einschließlich seiner Fähigkeit, die Tragfähigkeit zu erhalten. Eine Platte allein kann die Wand nicht tragen; ein eigenständiger „REI-Wert“ der Platte ist daher nicht aussagekräftig. Es gibt Platten, die ohne geprüftes System eigenständig angesetzt werden können, doch diese sind ausgesprochen teuer.
Brandschutz-Gipsplatten sind für diese Aufgabe grundsätzlich gut geeignet. Aussagekräftig sind sie jedoch nur als Teil eines Systems, das mit dem festgelegten Rahmen, Aufbau und Befestigungsschema geprüft wurde.
Wie wird eine tragende Wand nachgewiesen?
Abschnitt betitelt „Wie wird eine tragende Wand nachgewiesen?“Das ist der entscheidende Punkt. Eine tragende Leichtstahlwand verfügt nicht automatisch über ein Systemzertifikat; ein entsprechender Nachweis muss beschafft werden. Dafür gibt es zwei Wege.
NMÉ oder ETA
Abschnitt betitelt „NMÉ oder ETA“Eine technische Bewertung, die im Namen des Herstellers oder Systeminhabers ausgestellt wird und den geprüften Aufbau sowie die Konfiguration festlegt. Mehr dazu im Artikel NMÉ, ETA und CE — wann sie erforderlich sind und wann nicht.
Projektspezifische Brandsimulation
Abschnitt betitelt „Projektspezifische Brandsimulation“Ein Systemdokument kann durch eine Simulation ersetzt werden, jedoch nur, wenn der verantwortliche Planer diese Simulation für das konkrete Projekt erstellt und unterzeichnet. Eine allgemeine Simulation darf nicht projektübergreifend weitergegeben werden.
Dieser zweite Weg funktioniert, und wir nutzen ihn regelmäßig. Er ist weder einfach noch weit verbreitet: In Ungarn führen nur relativ wenige Fachleute solche Simulationen fachgerecht durch. Wir verfügen über den erforderlichen technischen Hintergrund und arbeiten mit einem Spezialisten zusammen, der sie erstellt.
Das Wichtigste
Abschnitt betitelt „Das Wichtigste“Der Brandschutz ist der Teil der Systemdokumentation mit eigenständigem technischem Gehalt, der nicht umgangen werden kann. Bauteilaufbauten und statische Berechnungen müssen in jedem Fall von verantwortlichen Fachleuten geplant werden. Das Brandverhalten muss jedoch entweder durch eine NMÉ oder durch eine unterzeichnete projektspezifische Simulation nachgewiesen werden. Wenn jemand sagt, dies sei unwichtig, weil „Stahl nicht brennt“, ist der Moment gekommen, innezuhalten und nachzufragen.